Schattenmühle

Kreisende Räder zur Abendstund,
plätschernder Bach gibt’s zur Kund,
was Urzeiten lang den Weg bezicht,
das Schatten gern das Licht zerbricht.

Mühsal zur Last im Mühlenrade,
zermahlen die Frucht der Äcker gerade,
Gedanken in Säcken aus bösen Zungen,
vom Hunde des Müllers gerne verschlungen.

Dunkle Gesellen die Schultern geladen,
mit Kraft und Schweiß gestemmt aus den Waden.
Die Augen so leer als ob niemand verstünde,
das Warum und Weshalb der tieferen Gründe.

Kam ein Mädchen im Traume entlang des Weges,
hatte ein Lächeln gleich wundersam gelber Tagetes.
Reichte die Hand in furchtloser Geste,
Stille trat ein, selbst im Geäste.

Am anderen Tage lag Gold auf der Waage,
und weit hinaus wurd‘ getragen die Sage,
vom Kinde, das in sorgloser Einfachheit,
sich selbst - und so die Welt befreit.

symbol
© Holger Rudolph 2008