Tod

Das Leben fiel uns gar nicht schwer,
wenn da mal der Tod nicht wär'.
Lässt uns Zittern, lässt uns bangen,
und manchmal auch am Baume hangen.
Er füllt uns stets mit Unbehagen,
schnürt uns an des Kopfes Kragen.
Kein Mensch ihn je zum Freunde hat,
er nimmt die Luft und macht uns platt.
Wen wundert's, dass er einsam ist,
und manchem an die Beine pisst.
Ihn ärgert's sicher, das ist klar,
so allein, mit dieser Schar -
von Menschen die's nicht besser wissen,
ängstlich zaudernd und beflissen,
tagein tagaus ihn zu umgehn',
um am Uhrwerke des Lebens,
töricht dran herum zu drehn'.
Doch die Zeiger sind beharrlich,
ziehen Kreise Stund um Stund,
unbeirrt, als ob vertraglich,
tun sie ihre Botschaft kund:
Wer den Tod alleine sieht,
dem es grade recht geschieht,
dass er zittert, zaudert, zappelt,
ihm der Unterkiefer wackelt.
Denn der Tod ist Teil des Ganzen,
Hand in Hand mit der Geburt,
sei's bei Menschen, Tieren, Pflanzen,
eng mit allem hier verzurrt.
So manches Märchen wurd' geschrieben,
über ihn und was danach,
keines ist je so gediehen,
weil man hier sich selbst bestach.
Es bleibt nur still zu akzeptieren,
dass das Leben und der Tod,
harmonisch fast die Welt regieren,
halten alles fest im Lot.
Wir als Teil der ganzen Reise,
spürn' mal Freude, spürn' mal Not,
sollten's sehen in der Weise,
sind mal Ursprung, sind mal Kot.

symbol
© Holger Rudolph 2003